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  >> Wettbewerb Neues Landesamt Kärnten, Saal der 10,
    Jahr:2007
Wvznr: 605
13 x 6 x1,2 m, Wandgestaltung, Edelstahgl, Neon, Farbe. Elektronische Steuerung
KÜNSTLERISCHER WETTBEWERB VERWALTUNGSZENTRUM DES AMTES DER KÄRNTNER LANDESREGIERUNG

>Saal der 10<
C/D [Concordia/Discordia]

Index
S 2 Das Konzept >Saal der 10<
Die 2 Felder/Saal der 10
Concordia, Discordia
S 3 Details
Material / Technik / Steuerung
Galerie
Aussenwirkung
S 4 Recherche
Zur Architektur
Die Funktion der Kunst in einer (halb)öffentlichen Zone
S 5 Historischer Bezug
Die Fresken im Palazzo Pubblico,Siena
S 6 Leistungen/Kosten
S 7 Kostenvoranschlag
S 8 Plan Ansicht
S 9 Plan Draufsicht
S 10 Modell

Das Konzept >Saal der 10<
Die schon architektonisch „aktivierte“ Wand
(Einbettung in ein semiotisches System der Raumidentitäten),
wird konsequent weiter gedacht:
Die „Harte Wand“ wird zur Plattform zweier Aggregatzustände verwaltungsstaatlicher Zeichensysteme:
Zwei Felder zu den Wirkkräften integrativer bzw. destruktiver Regierungsformen.

Die Wand als Drittes ist Maßstab und Herausforderung in einem:
Sie wird dort durchlässig, wo sich die Kräfte bündeln und „concordi“ agieren
(einer Sache verpflichtet >Gemeinwohl<: Kreisobjekt: Concordia) –
hingegen versperrt sich die Harte Wand dort,
wo selbstreferentielle Zentralgewalt Macht missbraucht und das Recht behindert (Divisia >Zwietracht [säen]<: Viereckobjekt: Discordia).


Die 2 Felder/Saal der 10
Concordia
Kärnten hat 10 Bezirke.
Diese Zahl wird durch die 10 Stränge und den weiß leuchtenden Köpfen im Inneren des Zylinders des gelben Kreisobjekts repräsentiert.
Da alle Stränge den gleichen Abstand zum Zentrum halten und auf dieses einwirken, vervielfältigt sich ihre Kraft für die Gemeinden und deren Bürger
– sie durchdringen die Harte Wand (Lichtzylinder).
Über dem Kreisobjekt schweben 2 x 3 blauleuchtende Köpfe in intensiver Kommunikation einander zugewandt (analog zu den Tugenden).

Discordia
Im blauen Feld sind jene 10 Stränge total in sich verwickelt, fesseln geradezu eine Achse, die schwer an einem einzigen Ring außerhalb des Vierecks hängt, welches ohne einen rechten Winkel haltlos vor der Wand schwebt.
Über diesem Viereckobjekt hängen 5 rotleuchtende Köpfe von der Decke, die auf der Flucht sind (analog zu den Lastern. Dynamisch: Fibonaccireihe).


Details
Material / Technik / Steuerung
Sichtbetonwand. Lasierend bemalt: 1. gelber Kreis, 2. blaues Viereck.
Alle konstruktiven Teile aus Edelstahl: Seile, Anker, 1. Zylinder + 2. Zylinder.

Zylinder 1 (Concordia) wird speichenradähnlich mit Stahlseilen an die Wand gespannt.
Zylinder 1 innen: Spionspiegel, Spiegel, 10 weiße Köpfe Neon radial angeordnet, vervielfältigt durch Widerspiegelung.
Steuerung: Lichtintensität langsam pulsierend: Räumliche Wirkung: Zu- Abnahme.
(Trafos, Steuerung: im Zylinder).
6 Köpfe, glasklares Glasrohr (abgeschaltet nicht sichtbar), Argongasgepumpt (blau). Steuerung: langsames, harmonisches Auf- und Abdimmen der einzelnen Köpfe (analog zu Rede/Gegenrede). In der Decke fixiert, Technik (Trafos, Steuerung: Zwischendecke).

Zylinder 2 (Discordia): Edelstahlzylinder Deckel verschweißt, säuregefärbt: blauschwarz, chaotisch eingesponnen mit 10 Edelstahlseilen. Anker: Edelstahlring.
5 Köpfe, glasklares Glasrohr (abgeschaltet nicht sichtbar), Neongasgepumpt (rot).
Steuerung: hintereinander auf- /abgedimmt, Bewegungsrichtung: nach außen (Flucht).
In der Decke fixiert, Technik (Trafos, Steuerung: Zwischendecke).

Galerie
Emblem der C/D [Concordia / Discordia], Textfeld
Die Besucher, die den Raum von der Galerie aus betrachten, finden an der Stirnseite derselben
2 leuchtende Köpfe analog zu denen im Saal der 10. Geht man auf sie zu leuchtet der blaue Kopf auf, entfernt man sich, leuchtet der rote Kopf auf. Ein kleiner Text zur Ikonografie des Saales und einem Zitat von Michel Foucault soll den Inhalt für den Besucher erhellen.

Energie / Haltbarkeit / Wartung
Qualitatives Neon als Leuchtmittel ist durch die hoch entwickelte Technologie heute extrem energiesparsam und ihre technische Lebensdauer ist praktisch unbegrenzt.
Die Gesamtsteuerung kann sowohl interaktiv (Radarsensoren) als auch händisch aktiviert werden; die Anlage arbeitet wartungsfrei.

Außenwirkung
Die Lichtinstallation wird durch die Transparenz des Eingangsbereichs bis zum Vorbereich (Stadtloggia) wirken.


RECHERCHE
Materialien

Achse H9/Harte Wand
C/D [Concordia/Discordia]

Zur Architektur
Die Zeichensprache des Neuen Verwaltungszentrums hat einige semiotische Feinheiten zu bieten: Städtebaulich umschreibt der Komplex, im Zusammenhang mit dem gegenüber liegenden Regierungsgebäude, ein konzentriertes Regierungsviertel.
Die Strukturierung der neuen Zugangssituation bezieht sich auch in ihrer Neudefinition, auf eine klassische Tradition, die an Mittelalter- und Renaissancestrategien erinnert: Die Stadtloggia als vorgelagertes Forum, das Atrium (Empfangshalle) und der große Saal. Die symbolische Ausdeutung dieser Abfolge in Architektur und Ästhetik haben sich naturgemäß im Laufe der Jahrhunderte gewandelt, sodass die Zeichensysteme den heutigen Bürger auch durch andere Trägerfunktionen ansprechen sollen: Offenheit und Transparenz.

Das Gelenk
Die Stadtloggia, die auch als Säulenhalle bezeichnet werden kann, zeigt am westlichen Ende ein dekonstruktivistisches Element, nämlich den mikadoartig chaotisch gestellten Säulenhaufen, der, wie an der alten Wand zusammengestaucht, das Gebäudegelenk ausbildet. Hier beginnt die Achse H9 als die „Harte Wand“.

Die Harte Wand
In der Eingangshalle, dem atriumsähnlichen Zwischenraum, ragt am westlichen Ende eine Sichtbetonwand in den Galeriebereich zum tiefer liegenden Grossen Saal, dessen Stirnwand die Sichtbetonwand weiterführt. Im vorliegenden Entwurf zur künstlerischen Gestaltung soll diese rauhe Wand erhalten bleiben, um den intendierten Zusammenhang möglichst augenscheinlich darstellen zu können.

Die Funktion der Kunst in einer (halb)öffentlichen Zone
Gestalterische Zeichensysteme haben, speziell im Umfeld eines Regierungsapparates, andere Relevanzen, als im Kontext z.B. eines Museums; daher wird im vorliegenden Entwurf eine klare Ikonografie zu den Wirkkräften einer Regierung und der damit verbundenen Verwaltung eines Landes angewendet. (i.e. „..., dass eine Regierung im Sinne von Handlungen zu verstehen sei, die auf andere Handlungen (die Handlungen anderer) einwirkt“ . Gouvernementalität, Michel Foucault).

Petrarca und Dante haben von der Wirkkraft künstlerisch genutzter Medien, im Zusammenhang mit einer gesellschaftlichen Theorie, erwartet, dass sie Vorstellungsbilder evozieren, die eine kulturelle Gemeinschaft lesen und diese auch politisch deuten kann.
Als Beispiel dafür gelten die Fresken der Brüder Lorenzetti im Rathaus Siena: „Die Herrschaft der guten und der schlechten Regierung“ 1337-39.

Der mittelalterliche „Gerechtigkeitsstaat“ hat sich zum modernen „Verwaltungsstaat“ entwickelt. Dennoch werden wir heute wieder verstärkt mit ähnlich gelagerten gesellschaftlichen Problemen wie zu Zeiten des „Gerechtigkeitsstaates“ konfrontiert - diesmal sind dies aber globale Strömungen.

Historischer Bezug
Aus der Analyse ergibt sich die reizvolle Aufgabe hier einen historischen Bogen zu spannen, und im semiotischen Aufbau eines künstlerischen Entwurfes für die Große Wand eine thematische Analogie zum Palazzo Pubblico von Siena, insbesondere zu den Fresken von Ambrogio Lorenzetti, zu bearbeiten.

Die Fresken im Palazzo Pubblico,Siena
Sala della Pace, Sala dei Novi, Lorenzetti 1337-1339
Der Freskenzyklus zeigt in einer Art spiegelnder Anordnung die Allegorien der Guten und der Schlechten Regierung, und die Auswirkungen der Art von Herrschaft auf das Land.
Die Gegenüberstellung als szenisches Mittel zur Veranschaulichung dialektischer Vorgänge deutet bereits auf die hier aufkeimende Renaissance.
Personifikationen der Begriffe wie Gerechtigkeit, Stärke, Frieden etc. stehen den Begriffen wie Willkür, Tyrannei, Zwietracht gegenüber.







 
 
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