Kategorie - Wettbewerbe  
  >> 2XWelt, Volksschule Kühnsdorf
    Jahr:2006
Wvznr: 604
Gestaltung Vorplatz Projekt: Neubau Volksschule Kühnsdorf. Architekten Klaudia und Roland Winkler
Wettbewerb „Schulzentrum und Mehrzwecksaal Kühnsdorf“, Künstlerische Gestaltung, Außenanlage

Titel: 2X Welt

Grundlage
Der süd-ostseitige Vorplatz und die süd-westseitige Wiese verstehen sich als erweiterte Schulräume. Eine klare räumliche Trennung der Flächen soll sowohl die Autoparkplätze, die Zufahrt und Anlieferung, sowie die Zonen für die Außenaktivitäten der Schule definieren.
Die Fläche zwischen den beiden Zugängen zu den Schulen wird als Plattform gestaltet: die tiefer liegende Strasse mit der kleinen Autoparkplatzfläche und einer Ein/Aussteigzone wird hinter einer steil ansteigenden Böschung aus dem Blickfeld gebracht. Beide Zugänge zu den Schulen werden quasi „eingeschnitten“, sodass der Eindruck eines Sockels entsteht. Auf dieser Rasenfläche stehen die beiden kegelförmigen Hügel 2X Welt.
Teil des Vorplatzes ist auch als ein „erweiterter Klassenraum“ in Form eines Objektes zu verstehen, das auch zu didaktischen Zwecken in vielerlei Hinsicht genutzt werden kann.

„2X Welt“ versteht sich als „Naturlabor“; bietet den LehrerInnen und SchülerInnen die Gelegenheit anhand einfacher Eingriffe und Beobachtungen von Ursache/Wirkung über einen längeren Zeitraum ein Bild über Begrifflichkeiten zu erforschen, wie z.B. das Werden/Vergehen, Eingreifen/Nichteingreifen, Hegen und Pflegen etc., und damit im Vergleich von natürlichen mit künstlichen Abläufen die innere Natur zu reflektieren.

Den Hintergrund zu dieser Gestaltung liefert unser allgemeines Verständnis von Natur. Das dieses Verständnis in Zukunft von ganz konkreten Wirkungen begleitet sein wird, ist mittlerweile auch Teil des kollektiven Bewusstseins, nur werden die kommenden Generationen von Kindesbeinen an damit leben müssen. Damit diese Belastung mit hoffnungsvollen und positiven Erfahrungen zu einem sorgsameren Umgang mit unserer Welt führt, sollte es eine selbstverständliche Kulturaufgabe sein, dies unseren Kindern auch spielerisch zu vermitteln.
(Mittlerweile ist diese Rolle auch jenem Teil der zeitgenössischen Kunstproduktion zugewachsen, der sich im sozialen und öffentlichen Raum ansiedelt, und der mit dem unmittelbaren Erleben von „Sinnzusammenhängen“ operiert. >Eigene Erfahrung ist wirksamer als „Vor-Bild“!<).

Künstlerische Arbeit
Die Gestaltung versteht sich als Teil des Gesamtprojektes, das mit den Architekten entwickelt wurde. Das künstlerische Medium ist mit seiner Bildsprache der Landart zurechenbar, obwohl der Anspruch darüber hinausgeht: der Prozess wird sich unter Mitwirkung des Künstlers über eine Vegetationsperiode erstrecken, die weitere Gestaltung in den folgenden Jahren soll dann integraler Teil von einschlägigen Schulprojekten sein.

Aufbau/Funktion
2 kegelförmige Hügel, jeweils ca. 2,5m hoch und 8 m im Durchmesser stehen mit kleinem Abstand zueinander. Sie werden aus dem Aushub der Parkraumzone und Steinen geformt, einer davon mit fruchtbarer Erde überformt.

Hügel A wird weder bepflanzt noch sonst irgendwie gepflegt.
Hügel B wird je nach Jahreszeit und/oder Interesse mit ruralen Pflanzen aber auch mit Neophyten (= „Fremdpflanzen“) und Kulturpflanzen von den Schülern bepflanzt, und auch bewusst gepflegt.

Hügel A wird im Lauf der Zeit mit Pflanzen die er durch Samenflug einfängt, bzw. deren Samen bereits im Erdreich vorhanden waren, bewachsen sein. Da die Natur hier nicht „gezähmt“ wird, wird nach einer gewissen Zeit offenbar, dass sich eine unglaubliche Vielfalt im sg. „Unkraut“ zeigt, mehr noch, dass diese Vielfalt eine ganz eigene Schönheit verbreitet, sobald man sich darauf einlässt, sie näher zu betrachten.

Hügel B braucht Pflege. Hier stehen die „Kulturpflanzen“ in Konkurrenz zur ruralen autochtonen Pflanzenwelt - Vernachlässigung hat hier Folgen für die „Kulturpflanzen“. Will man hier gestalten, muss das Prinzip eines umsichtigen Gärtners zum Tragen kommen. Hier kann spielend erforscht werden wie Pflanzen, die gezielt eingesetzt werden, auf Einflüsse reagieren (Wasser/Licht etc...), wie viel Zuwendung sie benötigen und welche Schönheit sie dann auch entfalten.


Resümee
Diese Anlage ist natürlich nicht nur ein Projekt für die Schule, sondern gleichzeitig für die Besucher der Veranstaltungen ein Bild, dass durchaus polarisierend auf die zeitgenössische gesellschaftliche Situation hinweist, vielleicht auch ein im besten Sinn des Wortes „Denk-Mal“.


Material
Hügel A besteht nur aus dem Aushub und Steinen mit magerem Erdreich, größere Steine sind daher auch Bestandteil der Oberfläche.
Hügel B wird gestaltet: die Oberfläche wird mit fruchtbaren Erden und Lehmen, Torf und Flusssteinen etc. aus der unmittelbaren Umgebung überformt, kleine Steige und deren Befestigungen können auch vorkommen, je nach Phantasie der Kinder. Beim Bepflanzen sollen sowohl den Pflanzen der Gärten und den Balkonen der Ortschaft entsprechen, als auch den sg. „Kulturpflanzen“ wie z.B. den Neophyten Tomaten, Kartoffel etc... der Phantasie sei hier keine Grenze gesetzt.







 
 
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