Kategorie - Theorie/Text aktiv  
  >> Kasa Of Modern Art
    Jahr:2006
Wvznr: T66
Text zu "KoMA", Kasa Of Modern Art, kosmopolitischer Landarthof Strosek, Bad Eisenkappel, Kärnten
Kasa Of Modern Art
Im Wilden Westen, the Middle of Nowhere, sind die markantesten Gebäude in der unendlich dahinhügelnden Prärie die Granaries oder Grain Elevators, die Getreidespeicher. Die sieht man schon von Weitem, und wenn man Durst hat, hofft man in der zwischen zwei solcher Hochbauten eingezwickten Ortschaft auch das eine oder andere Bier zu kriegen – kann man vergessen, Gaststätten gibt’s in der prüden, sich vor Fremden versteckenden Gesellschaft, naturgemäß längst keine mehr. Man zweifelt manchmal überhaupt, ob in den Häusern jemand wohnt oder ob in den Giganten des Korns ein Keimling zu finden wäre.
Am Strosek ist alles umgekehrt: Die Kasa ist das kleinste Gebäude mitten zwischen den übrigen Bauten des Strosek; sie will jetzt, angesichts der weiten Welt, auch über sich selbst hinauswachsen – oder zumindest in eine andere Welt, die es herein zu holen gilt: Kunst, oder Artverwandtes. Als Speicher gebaut, als Durchgangsstation für Lebensmittel, soll jetzt auch diese Art Zwischenablage, (die normalerweise meinen Rechner verlangsamt, weil emsig hamsternd und doch immer im Hintergrund), von innen und außen strahlen, übers Tal und über die Berge zu den Zwergen die seit jeher ihre Nasen an gläsernen Särgen reiben, weil sie die Öffnungszeiten immer verpassen, und die Konten aus den Augen verlieren. An der Kasa würden sie sich einen Schiefer einziehen, so finster und glaslos steht sie da (sollten wohl ein bissl Licht reintragen, mit ihren Leuchtzipfelmützen), so lichtlos, dass einem schon ganz schön saftige Gedanken heimsuchen könnten, jenseits des Speckgürtels. Ab jetzt soll die Kasa an nichts mehr oder weniger erinnern, als an die neuen Gäste, die manchmal zwar auch an Speck zulegen, aber doch aus ganz anderem Holz geschnitzt sind (siehe Manabe Anton, der keine Angst vorm Holzwurm hat, weil er selbst von diesem gelernt hat...), oder aus dem Licht der Sterne (Selbstversuch „Heimleuchten“, nicht wirklich helfende Begleiter von T. Hoke). Man bemüht sich sowieso in einen solchen Speicher was Tröstliches hinein zu tragen! Weil aber das irgendwie Erotische eines im Dunkeln, inmitten von so viel Holz liegenden Körpers auch was hat, sprechen jetzt die Berge von draußen, die als Duft der Frauen am weißen Büttenpapier drinnen hängen geblieben sind (weil hierorts alle Formen schwellen). Die Kasa als lebensgroße Lochkamera, die an den Innenwänden eine andere Welt abbildet, sie auf den Kopf stellt zur besseren Kenntlichkeit, als eine Peepshow reinsten Wassers.


(„Die Sprache der Berge“, Aquarelle für die KoMA, Tomas Hoke, Sept. 2006)





 
 
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