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  >> Kunst kommt von Kärnten: Beutekünstler
    Jahr:2000
Wvznr: T54
Die Brücke, Kulturzeitschrift Nr. 6 2000 Artikel zur Kulturpolitik des Landes Kärnten, insbesondere auf den Umgang mit Cornelius Kolig reflektierend
Die Brücke, Kulturzeitschrift Nr. 6 2000
kult.brille
Kunst kommt von Kärnten: Beutekünstler

Jedesmal stelle ich mir die Frage: Was heißt: von außen betrachtet? Ist es nicht vielmehr so, dass alles nur von innen her betrachtet werden kann, also von mir heraus, durch meine Augen, die Welt? Meine Reichweite und Begierde bestimmt den Blick.

Ist das, was Erinnerung zu sein scheint, nichts anderes als eine innere Betrachtung von außen? Etwas Zusammengesetztes, Hingebogenes – so als ob ich mich selbst rekonstruiere? Dann setze ich auf Wahlverwandtschaften:

Väter, Mütter, Geschwister. Ich sage euch was: Das Leben unter einem Pseudonym ist perfekt. Ein Name, ein selbst gegebener, ist Programm. Klarerweise wissen Freunde davon, manchmal kriegen es die Feinde heraus, und weil eine Strategie dahintersteckt, lässt sich alles regeln. Als Pseudonym kann man beizeiten verschwinden und mit neuem Namen wieder anfangen.

Switchen und Surfen – Realität als Schimäre. Da sagt einer, die Kunst sei als Realität nur messbar als Beute, insbesondere als Beute der Medien.

Ein wahrer Künstler veröffentlicht sich daher pseudonym: Beispiel Kolig:

Cornelius Kolig gibt es gar nicht. Ein Agent provocateur. Er existiert in den Köpfen als Synonym für das, was landläufig unter die Leute gebracht wird, wiederum von Leuten, die unter einem oder mehreren Pseudonymen veröffentlichen. Ein kommerzielles Trio infernal: Pseudonym, Synonym, Anonym.

Der echte Cornelius Kolig ist längst im Paradies, nämlich in seinem selbstgeschaffenen. Wenn Cornelius Kolig durch seine Augen die Welt betrachtet, sieht er das Paradies. Er hat es sich verdient. Wenn die Wahlverwandtschaften auf das Paradies schauen, steht vor ihnen eine rasend geformte Wand. Ja, ich gebe es zu: Ich will nicht dabei sein. Nicht hier und nicht jetzt. Ich lebe in Afrika – ungefährdet. Ich bin ein afrikanischer Exportartikel, veröffentliche in jedem Land dieser Erde unter geläufigen Pseudonymen. Das macht meinen Erfolg aus: Ich nehme den Charakter des Ortes an, bin augenblicklich Künstler und als solcher wahrgenommen: In Kärnten bin ich Kärnten, weiter weg bin ich immer voll da. Das ist die Kunst, lassen Sie sich nicht einreden, dass es ein Außen gibt. Hier nicht, und dort auch nicht. Kunst kommt von Kärnten.


Interview mit Tomas H.*
(*Namen von Tomas Hoke geändert)

Frage: Sind Sie echt?
T. H.: Ja sehr – aber meine Tarnung gebe ich nicht auf. Ich werde ja bezahlt.
Frage: Zur Kunst, bitte!
T.H.: Kunst kommt von Können – das ist mein unumstößliches Credo! Was das sogenannte Volk nicht versteht, ist nicht Kunst, denn das Volk ist ja wirklich wahr. Das Volk ist nicht pseudonym. Das Volk ist in mir, und ich bin ja auch das Volk, das ist unzweifelhaft wahr. Ich bin quasi das Synonym für das Volk.
Frage: Also die Kunst?
T. H.: Kunst ist wahr und wirklich. Schön für das Land.
Frage: Warum ziehen manche in die Fremde?
T. H.: Wahre Künstler tun das gewiss nicht, denn die suchen ja das Fremde in sich, die gehen nicht einfach nach draußen, um dort das Fremde zu suchen, die gehen in sich und durch sich.
Frage: Was muß der Staat tun?
T. H.: Ein wahrer Künstler lebt das Ungewisse, man sollte ihm dazu alle Voraussetzungen schaffen, denn nur das Ungewisse wird wahre Kunst hervorbringen. Dem Ungewissen zum Durchbruch verhelfen! Nicht als Lust, sondern als Staatsprinzip! Ungewissheit wird Gewissheit als Kunst – wird zur »Kunst der Begegnung«. Alles ein Corporate Design, alles Eins, wie wir halt so sind. Wir begegnen uns jeden Tag selbst, so ist es nur natürlich, das zur Kunst zu erklären. Begegnungskunst mit dem uns Gewissen. Das geht schön zusammen, nicht? Man lernt schnell!
Frage: Die Zukunft?
T. H.: Die Zukunft der Kunst in Kärnten liegt in ihrer eigenen Vergangenheit. Es leben noch Propheten im eigenen Land! Die kennen wir – unvergessen! Manche sind gar nicht alt. Das kommt daher, dass Kärnten traditionell Künstlergenerationen hervorbringt, und Namen sind wie Botschaften, das können Sie mir glauben!

(Das Interview wurde in Afrika, unter Zuhilfenahme einschlägiger Texte aus einschlägigen Publikationen, geführt, und für den Durchschnittskärntner [Zitat Noricus, Krone, 8. März] verständlich redigiert.)







 
 
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