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  >> Anton Marcolin Monografie/Retrospektive
    Jahr:2006
Wvznr: A582
Monografie zu dem Werk von Anton Marcolin, Ritter Verlag, Klagenfurt. 80 Seiten, Format 29 x 23 cm Kurator der Retrospektive: Tomas Hoke
Recherche und Gestaltung der Monografie.
Die Publikation erscheint anlässlich des 50. Todestages von Anton Marcolin.

Kurator und Gestalter der Retrospektive des Oevres im Künstlerhaus Klagenfurt, März/April 2006

Auszug Text Seite 73
Anmerkung zur Arbeit an dieser Monografie und die Frage nach dem Ort Aus der ersten Sichtung des vorhandenen Materials war bald klar, dass Datierungen aufgrund der Verschiedenartigkeit der Arbeiten nicht leicht zuzuordnen sind. Die relativ kurze Schaffenszeit und der Umstand, dass es kaum begleitendes Material gibt, machten es notwendig in biografischen Feldern zu recherchieren. Angelika Elliott spürte nach und nach noch lebende Mitstudenten Anton Marcolins aus der Klasse Wotruba auf und kontaktierte sie. Das daraus geschöpfte neue Material half das Bild Anton Marcolins, das bereits im Werk sichtbar geworden war, zu schärfen. Die Vorgangsweise, die ich gewählt habe, vor allem die Arbeiten in ihre zeitliche und örtliche Beziehung zu bringen, beginnt und endet eigentlich bei mir selbst. Ich versuche Anknüpfungspunkte an eine Biografie zu finden, die mir selbst vertraut sind, und von denen ich zum Beispiel annehme, dass man als 24jähriger Künstler noch nach vielen Seiten offen ist, dass Lebensräume angenommen werden wie sie kommen und dass Lebensvorstellungen sich noch im hohen Maß aus Visionen speisen. Fragen, die mich heute beschäftigen, beziehen sich viel konkreter auf Ort und Zeit. Als Jungkünstler, in einer ähnlichen Lebenssituation, konnte und wollte ich nicht nach Kärnten zurückkehren. Später wurde mir erst bewusst, dass dieses Land als Herausforderung ungeheure Energien freisetzen kann. Die Auseinandersetzung, die ich seitdem mit dem Land führe, hat auch mein kritisches Verhältnis zu diesem widersprüchlichsten aller Bundesländer differenzierter werden lassen. Wenn jemand vom Schicksal ereilt wird, sagt man so leichthin: „Er war zur falschen Zeit am falschen Ort”. Bei Anton Marcolin bekommt diese Antwort einen mehrdeutigen Sinn und ist aus der Perspektive eines „Kollegen“, der 50 Jahre nach dem Ereignis darüber reflektiert, doch eine Herausforderung auch an sich selbst, nämlich die Frage nach der wahren Wertigkeit des für Künstlerkarrieren als so ungemein essentiell gehandelten Ort-Zeit-Problems zu stellen. Ich behaupte, dass es sehr von Glück und Zufall abhängt, wie sich eine Karriere entwickelt, denn es kann weder der Ort noch die Zeit allein in ein Schicksal eingreifen, und wer mit Talenten gesegnet ist, der weiß das auch am besten. Tomas Hoke, Jänner 2006




 
 
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