Kategorie - Lichtarbeiten  
  >> hindin
    Jahr:2009
Wvznr: 653
Außenfassade des Veranstaltungssaales Gemeinde Grafenstein. Wettbewerb, Ausführung: Hisrchgeweih: Edelstahllrohre verschweißt, 340 x 450 x120 cm LED Hochleistungsleuchten Neubau: Architekt Erich Mörtl
>HINDIN<

Die kyrenische Hindin ist eine Hirschkuh der Artemis mit goldenem Geweih aus der antiken Heraklesgeschichte (12 Arbeiten).

„Siehe, den Nymphen geweiht, die karthäische Fluren bewohnen,
War ein gewaltiger Hirsch: der selbst in erhabne Beschattung
Hüllte das eigene Haupt mit weitgeästeten Hörnern.
Funkelnd blitzte von Gold das Gehörn; und herab auf die Buge
Hing am gerundeten Halse die Schnur glanzheller Juwelen.
Auch ein silbernes Blatt, an zierlichen Riemchen befestigt,
Schwebt‘ ihm über die Stirn; und es blinkten aus Erz in den Ohren
Um die gehöhlete Schläfe die gleichgedreheten Bammeln.“
Ovid, Metamorphosen, Buch X Cyparissus

In meiner Erinnerung aus der Kindheit ist der „Hambruschsaal“ als Fest- und Kinosaal mit Trophäen ausgestattet gewesen. Kann sein , dass ich auch einen „Kronleuchter“ aus Hirschgeweihen imaginiere; jedenfalls ist beim Nachdenken über die ehemalige und jetzt zukünftige Nutzung mit den räumlichen Zusammenhängen auch diese historische Bedeutung Thema geworden.
Ein Ort verwandelt sich, trägt seine Geschichte selbst in veränderter Form in sich, katalysiert sie in der neuen Gestalt.
Grafenstein ist ein Ort der Bauern gewesen (ist es noch immer zu einem nicht geringen Teil); doch die Veränderungen des Ortes im Lauf der letzten 40 Jahren haben sein Zentrum verwischt – einen Dorfplatz gibt es in der klassischen Form nicht mehr.
Eine mögliche Entwicklung des neuen Veranstaltungs- und Kulturzentrums könnte eine neue Form des Dorfplatzes sein.

Die neuen architektonischen Eingriffe und Zubauten bedürfen keines künstlerischen Kommentars, bilden klare räumliche Strukturen und bieten in ihrer Zeichenhaftigkeit und Funktionalität auch identitätsstiftende Möglichkeiten.

HINDIN
Der Hirsch, bzw. die Hirschkuh (=>hindin< mit Geweih!) ist als Ikone der weltweiten Kulturgeschichte ein so universelles Zeichen, dass es hier den Rahmen sprengen würde über die vielen Mythen zu reflektieren.
Ein für den Ort sehr passendes Motiv finde ich in den Metamorphosen des Ovids beschrieben – glänzendes Horn, funkelnde Juwelen.
Interessant sind auch die evolutionären Entwicklungen des Hirsches, dessen Kopfschmuck immer weniger zum Kampf als vielmehr dem Imponiergehabe verpflichtet ist, daher vielleicht im weitesten Sinn eine Form der anthropomorphen „Kulturtechnik“. Diese Eigenschaft dürfte auch Inspiration für den Mythos und dessen vielgestaltige Allegorien sein.

Hirsch als Sonnensymbol, Fruchtbarkeitssymbol – oft auch mit dem Lebensbaum verbunden; immer im Zusammenhang mit positiven Attributen.
Wegen seines zyklischen Geweihwachstums steht der Hirsch für Innovation und Erneuerung.

Metamorphose: Sonnen/Lichtelement: Kronleuchter aus Hirschgeweihen sind eine logische Fortsetzung der alten Mythen.
Voraussetzungen
Für die Aussenwirkung und die Funktion der Gebäude wähle ich eine Gestaltung, die die Geschichte des Ortes mit der Zukunft verknüpft. Ein altes Symbol (Geweih) wird im neuen Kontext sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft weisen.

Eine thematische Verbindung zwischen Kronleuchter und Hirschgeweih an der Aussenwand des Festsaales ist eine Referenz an die Funktion der Gebäude als Fest-und Kulturzentrum.

Kapitales Geweih
Im Giebel der Aussenfassade des Festsaales wird ein gewaltiges kapitales Hirschgeweih (3,5 x 4,5 m) aus Edelstahl montiert. Die beiden 10 - endigen Stangen kommen aus den beiden vorhandenen kleinen Fenstern. Die Rohrkonstruktion ist rauh geschliffen, sodass auffallendes Licht chaotische Reflexe produziert. An allen Enden der Sprossen sind Leuchtspitzen montiert, die in der Nacht weißes Licht abgeben (LED/Photvoltaik).

Trophäenwand
Ich habe die Idee einer „Trophäenwand“, die heute naturgemäß nicht mehr die ehemalige Funktion erfüllen kann, transformiert. Als Ort wähle ich die Aussenwand des ehemaligen Festsaales, dessen zwei kleine Fenster im Giebel als Rosenstöcke eines kapitalen Geweihs dienen können. Das metallene Geweih (mit leuchtenden Sprossenenden) soll die Signalwirkung sowohl am Tag als auch in der Nacht den Ort als einen festlichen bezeichnen.

Die Wand selbst soll im unteren Bereich als erweiterbare „Trophäenwand“ funktionieren: Aufhängevorrichtungen können temporär für Festschmuck, Ankündigungen, künstlerische Interventionen, Botschaften aller Art (strikt ausgenommen: politische Werbung) verwendet werden. Diese Wand soll der Bevölkerung zur Artikulation ihrer Gestaltungsfreude dienen, soll sich immer verändern und aktuell sein dürfen. (Vielleicht findet sich jemand oder eine Gruppe, die diese Wand betreut).


Wandfarben
Der Veranstaltungstrakt soll, bis auf das rostrote Oval (Geweihschild) in einem warmweißen Grauton gestrichen werden, das Gasthaus in der Farbe des Geweihschilds (warmes rostrot), die Gesimse und die Hohlkehlen in der Farbe des Veranstaltungtraktes.

TECHNIK

Konstruktion Geweih
Gebogene Edelstahlrohre (Ø 90 - 40 mm) werden zu einem kapitalen Geweih verschweißt. Die Oberfläche wird rauh geschliffen (Reflexe). An den Enden der Sprossen werden aus Polycarbonat transluzente Zylinder montiert, die innen mit je 3 weißen Hochleistungs-LEDs bestückt sind. Die Verkabelung erfolgt im Inneren der Stangen und führt zu einer Photovoltaikanlage am Dach des Festsaales. Die Einschaltdauer der Lichter wird per Dämmerungsschalter limitiert.

Die 2 Geweihstangen werden über die Leibungen der Fenster im Mauerwerk verankert.


Elektrik
20 Leuchtkörper (3xLED weiß je 3 W), Fassung im Rohr (IP65), Niedervoltverkabelung inliegend der Stahlkorohrkonstruktion, Photovoltaikanlage (150Wp). Dämmerungsschalter.

Wartung
Die Anlage ist wartungsfrei und energieautonom.


Farben
Gebäude

Veranstaltungssäle
Die Veranstaltungssäle weiß, mit einem warmen Grauschleier:
(Pantone warm grey 1 EC [C0 M2 Y7 K8])
Untermalung des Lichtgeweihs (verzerrtes Oval) in der Farbe des Gasthauses:
(Eisenoxyd, hoher Gelbanteil: Pantone 174 EC)

Gasthaus
Das Gebäude Rot (Eisenoxyd, hoher Gelbanteil: Pantone 174 EC) Lisenen, Hohlkehle und Gesimse gleiche Farbe wie Veranstaltungssäle (Pantone warm grey 1 EC [C0 M2 Y7 K8])





 
 
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