Kategorie - Lichtarbeiten  
  >> Alfagas 2
    Jahr:2007
Wvznr: 619
Neoninstallation zu "Norost", von Torsten Buchsteiner, Theater Kosmos Bregenz, 26.9. – 21.10.2007 9 Röhren, Klarglas, Argongas, blau leuchtend. Je 2,6 m lang, Dm. 20 mm 3 Trafos a´ 6000 V 16 Edelstahlschalen, Dm. 11 cm, hochglanzpoliert 14 x
Die Lichtinstallation bezieht sich direkt auf das Stück ¬- im Besonderen auf die fragile, spannungsgeladene Konstellation der drei Protagonistinnen. Das zwischen Wut und Ohnmacht, Agitation und starres Hinnehmen entstehende labile Gleichgewicht suggeriert aus den Bildern dieser Schicksalsgemeinschaft eine Art innere Komplizenschaft: Die Staatsgewalt lässt alle verlieren, die Kraft weiter leben zu können kommt nicht aus der Gesellschaft, sondern aus dem Erzählen.

Entlang der Wand, um die halbe Höhe herum, werden auf dünnen Stäben, die in die Wand gesteckt sind, klare, mit Argongas gefüllte Glasröhren so aufgelegt, dass eine Art in die Länge gezogenes Mikado entsteht. Dort wo die Röhren sich überkreuzen liegen sie auf den Stäben, der entstehende Spalt wird mit hochglanzpolierten Edelstahlschalen überbrückt. Jede dieser Schalen spiegelt den gesamten Raum, nimmt Bewegungen auf und reflektiert auch das Licht. Durch die Glasröhren werden 18000 Volt geschickt, das Gas beginnt blau zu leuchten und verbindet die Teile zu einem „Nervenstrang“.

Das Foyer wird zu einem seismisch brisanten Ort; die Wand zum Zuschauerraum ist jene dünne Membran, die zwischen Leben und Tod gespannt ist, ein Display das Drama im Inneren abbildend.

Das Stück:
"Torsten Buchsteiner gelingt das Kunststück, das hochkomplexe Thema "Terror" am Beispiel der drei Frauen ins Exemplarische zu verdichten. Das Stück hat einen Rhythmus, eine Beschleunigung, eine emotionale Kompression, die anrührt, erschreckt, schockt. Ein Wahnsinnsaugenblick der Zeitgeschichte." (Gerhard Jörder, ZEIT).

Moskau nach dem Tschetschenienkrieg. Die junge Zura hat ihren Mann im Krieg verloren und sich aus Einsamkeit den „Schwarzen Witwen“ als Terrorkämpferin angeschlossen. Geplant ist eine Geiselnahme von über 800 Zuschauern in der Musicalvorstellung "Nordost".

Auch Tamara, eine lettische Ärztin, hat ihren Mann im Krieg verloren. Sie hat sich lange auf den gemeinsamen Abend mit ihrer Tochter gefreut. Sie wollten sich das neue Musical ansehen, doch Tamara musste im letzten Moment den Notfalldienst des Kollegen übernehmen.


Olga ist mit ihrer Familie als Besucherin des Musicals anwesend, als die Katastrophe im Theater ihren Lauf nimmt und auch Tamara als Ärztin zur Geiselnahme gerufen wird.


Nordost erzählt die Geschichte der drei Tage währenden Geiselnahme von 2002, ohne Schuldfragen aufzuwerfen. In drei schonungslosen nebeneinander stehenden Gedankenprotokollen, jenseits sensationeller Effekte wird das Thema Terrorismus überraschend dokumentarisch verhandelt. Allein durch die Intensität und Intimität der Figuren wird das politische Ereignis gleichzeitig zum theatralen Ereignis.




 
 
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