Kategorie - Kunst im ��ffentlichen Raum  
  >> Drauart
    Jahr:2000
Wvznr: 454
"Zikkurat & Drauwelle<, landart Projekt, Fertigstellung 2011
drau.art
Tomas Hoke, Edmund Hoke, Armin Guerino
kunstbau.saager


ORT Drau(fluß), Bucht bei Selkach, nördliches Ufer des Ferlacher Stausees im Rosental

BESTAND Die Selkacher Bucht entstand an der Stelle des ursprünglichen Flusslaufs der Drau bei der Errichtung des Stausees. Ein Damm schützt die Ortschaft Selkach und die östlich von Selkach gelegenen Felder. Ein Pumpwerk hebt das hier anfallende Wasser auf die Höhe des Stausees. Gegenüber an der Südseite des Stausees ist eine breite helle Schotterschneise im Kiefernwald sichtbar, die durch einen Bach von der Nordseite der Karawanken entstanden ist. Die Wasserfläche, die weitgehend natürliche Umgebung und der Karawankenkamm sind eine eindrucksvolle Kulisse für diesen Ort.

VORGABE Im Zuge der Errichtung einer Flussrinne im Stausee, die den Verlandungsprozess beenden soll, werden seitliche Führungen errichtet. Die Rinne wird ausgebaggert. Die anderen Teile des Stausees werden landschaftsplanerisch behandelt. Schutzzonen für Wassertiere und Pflanzen, Bereiche für Fischerei, für Wassersport und Vogelschutzgebiete sollen eingerichtet werden. Mit der Anlage eines Hafenbeckens sollte auch ein erhöhter Aussichtpunkt geschaffen werden. Es entstand die Idee, dieses Vorhaben mit einem künstlerischen Eingriff zu verbinden ein Landart-Projekt zu initieren, das test- und prototypischen Charakter für alle in Zukunft flussabwärts zu gestaltende Stauseebereiche haben sollte.


KONZEPT Thematisch orientiert sich die Gestaltung von Hafenbecken, Aussichts-"Zikkurat" und Begleitdamm an Wasserformen wie Strudel, Walze und Wellen.

1. Als erste Stufe wird das Hafenbecken in Strudelform, wie sie an einer Flussbiegung entsteht, als Einstieg in den weiteren Formenverlauf angelegt.

2. Der anschließende Hügel "Zikkurat" wird in Schneckenform ca. 20 Meter hoch aufgeschüttet: Entgegen dem ersten Konzept beginnt er nun im Hafen - dadurch ensteht eine breitere Ansicht von der gegenüberliegenden Talseite. Ein sich schneckenartig nach oben windender Gehweg endet an einer kreisrunden Wasserfläche (Øca 7m), in die den Weg fortsetzend, begehbare Steinplatten eingelegt werden. Die Spiegelung der Bergketten im Wasser wird beim Umrunden und Annähern an den Gipfel des Hügels sichtbar. Das entstehende Paradoxon Wasserspiegel am höchsten Punkt, am Kopf stehende Ansicht der Berge, Gehen auf dem Wasser - erweitern die natürlichen Eindrücke um die mit einfachen und ebenfalls mit natürlichen Mitteln gemachten künstlichen Effekte. (Die Wasserfläche leitet sich aus einem von uns beobachteten Phänomen ab, das bei den Bauarbeiten am Annabrückner Kraftwerk beobachtet werden konnte: Mitten im heißen Sommer waren an den Spitzen der Aufschüttungshügel Wasserlachen entstanden, die nicht durch das Regenwasser gespeist wurden)

3. Die Wellenkette: Der langgezogene Damm wird als Wellenkette ausgebildet, die in der Ferne abebbt. Die Wellen nehmen mit der Entfernung vom "Zikkurat" an Wellenhöhe und -länge ab. Die natürliche Perspektive wird verstärkt. Die ersten Wellen sind begehbar, dann tauchen die Wellentäler ins Wasser und bilden so die gewollte Begrenzung für Besucher ? die weiteren Bereiche sind als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Die Wellenflächen sollen dem Besuchern die Möglichkeit bieten, durch den Querschnitt und durch die Ausformung von Spitze zu Talgrund die Erfahrung von Weite und Geborgenheit zu machen. Gleichzeitig wird ein formales Echo zu den Bergketten der Karawanken erzeugt. Die große und langgezogene Form soll auch als temporärer oder permanenter Skulpturengarten genutzt werden können.

4. Die Bucht: Dazu gibt es noch keine fertigen Aufschüttungsentwürfe. Es sollen jedoch inselartige Formen in bestimmten Beziehungen zu den Leitformen entwickelt werden.

5. Erschließung: Die Zufahrten zu den einzelnen Teilen werden dem Gelände angepasst. Der Parkplatz soll hinter dem Damm, nicht sichtbar von der Gestaltungszone eingerichtet werden.

Saager, 14.11. 2000


Strategien der Landschaftsgestaltung

Im Gegensatz zur Naturlandschaft (der sich selbst überlassenen Entwicklung) hat der künstliche Eingriff neben der Gestaltung auch Pflegbedarf. Im Falle der Drauschleife gibt es Übergänge von den der Natur überlassenen Entwicklungszonen bis hin zu intensiv genutzten Arealen (Sport, Freizeit, Erholung). Die intensiv genutzten Teile werden von verschiedenen Vereinen verwaltet, wobei die Pflege des Areals zu strukturieren ist. Beispiel: teilweise werden die Wiesen beweidet, teilweise gemäht. Der Hafen mit seinen umliegenden Flächen wird als zentraler Kommunikationsort verstanden. Diese Zonen unterteilen sich in Liegeplätze für Boote, Liegewiesen, Picknickplätze, Erholungszonen. Der Aussichtskegel „Zikkurat“ wird als Kunstort erfahrbar sein (als Ort höchster Gestaltungsdichte: Runde Wasserfläche / Spiegeleffekte – Illusion).
Die Gestaltung des gesamten Areals hat zum Ziel die menschliche Situation zwischen Natur und künstlichen Eingriffen so klar zu definieren, dass es keinen weiteren Aufklärungsbedarf benötigt, um den Ort als persönliche Bereicherung für die Besucher erfahrbar zu machen. Die Schnittstellen zwischen den Erfahrungsbereichen können durch weitergehende Kunstprojekte bearbeitet werden (temporäre Eingriffe/Interventionen mit Objektcharakter). Diese „Kunst in der Landschaft“ Projekte sollen durch Kunstinitiativen bespielt werden (gedacht ist an einen Wechsel verschiedenartiger Kunstprojekte im Zweijahresrhythmus).Die Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Instituten soll begleitende Aktivitäten interdisziplinärer Art fördern (z.B. Universität für Bodenkultur in Zusammenarbeit mit Künstlern, Schulen, Interessensgemeinschaften etc.). Als Observatorium für professionelle und nicht professionelle Ornithologen und anderen Naturbeobachtern, soll ein kleines, offenes Informationszentrum errichtet werden, das über Flora und Fauna, Ort, Zonen und Aktivitäten informiert. Die Einbindung der örtlichen Bevölkerung ist durch dörfliche Traditionen (Feste etc.) auch in Verbindung mit der Landwirtschaft (z.B. Weidetierhaltung [Ziegen, Schafe] für die Pflege des Areals) zu fördern. Gestaltungsfragen und Konzepte sollen transparent für die Dorfbevölkerung präsentiert bzw. diskutiert werden. Wünschenswert wäre eine arbeitsteilige Form der Pflege des Areals zu erreichen um die Identifikation mit dem Projekt herzustellen. Naturbelassene Zonen. Der geschützte Bereich kann nur von den Aussichtsplätzen der Randzonen beobachtet werden. Im Inneren der Bucht sollen unter Hinzuziehung von Experten Inseln entstehen, die mit den Wellen des südlichen Dammes (Wellenkette) korrespondieren. z.B. Ein Wellental hat als Trabant eine ringförmige Insel deren einzige Öffnung dem Wellental gegenüber liegt. Diese Inseln sollen so verschiedenartigste Habitate fördern und schützen. z.B. macht der hohe Schwanbestand es notwendig bestimmte Bereiche für andere Vogelarten vor den Raubzügen der Schwäne zu schützen.

Die Wellenkette

Da die Wellenkette nach dem ersten öffentlich begehbaren Hügel in ein teilweise überflutetes Wellental eintaucht (Schilfbewuchs) wird der Rest der Wellenkette schwer zugänglich sein. Die Zugänglichkeit der Restkette könnte temporär durch einen Pontonsteg für bestimmte Aktivitäten geöffnet werden. z.B. orts- und naturspezifische Kunst- und Forschungsprojekte. Diese Projekte können allerdings nur in Zeiten durchgeführt werden, in denen der Lebensraum der Tiere am geringsten gestört wird. Zum Beispiel können die Kunstprojekte nach ihrer Errichtung der Natur überlassen und von den Aussichtsplätzen oder vom offenen Wasser aus betrachtet werden.

Zusammenfassung

Das Grundkonzept der Gestaltung soll über mehrere Jahre ausgeführt werden, wobei Veränderungen der Nutzungsstrategien miteinbezogen werden können. Das Pflegekonzept muss von Beginn an wirken, da eine Verwilderung des Areals nicht in allen Teilen gewünscht ist. Die Aufteilung der Kompetenzen für die einzelnen Zonen sollen in einer gemeinschaftlichen Plattform der Betreiber erarbeitet werden, wobei Ressourcen aus der Wasser- und Landwirtschaft synergetische Effekte erzielen sollen. z.B. soll der Eigentümer (Draukraft) eine Herde Weidetiere zukaufen, deren Haltung und Ertrag Bauern der Umgebung übertragen wird.
Das drauart-Projekt soll zu einem Musterbeispiel für einen Lebensraum werden, der wirtschaftliche Nutzungen mit kulturellen, wissenschaftlichen und didaktischen Schwerpunkten verknüpft, sowie Erholung und Freizeitmöglichkeiten bietet.




 
 
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