Kategorie - Film  
  >> Exploration
    Jahr:2003
Wvznr: F007
Kurzfilm, Video, 19 min von Jörg Th. Burger
Die Vorbereitungen zu diesem Film, den schlußendlich Jörg Burger 2003 realisierte, liegen Jahre zurück.
Der Schauspieler und Regisseur Hagnot Elischka erzählt Tomas Hoke von einem Projekt, das die Universitätsklinik Wien, Psychiatische Abteilung, mit Schauspielern entwickelt.
Studenten der Medizin befragen normalerweise in ihrer Ausbildung zum Psychiater Patienten. Da dadurch aber sowohl der Therapiefortschritt gefährdet, als auch das Feedback vom Patienten nicht immer brauchbare Materialien liefert, werden nun Schauspieler die Rolle der Patienten übernehmen. Die Schauspieler erforschen und "lernen" einen konkreten Patienten, bzw. dessen Krankheit, die beim Schauspieler in "Fleisch und Blut" übergeht. Bei der Exploration "ist" der Schauspieler der Patient, das heißt auch, dass er ein fundiertes Feedback an die Studenten weitergeben kann. Die besondere Spielart des Wiener Projektes war, dass selbst die Studenten Untersuchungsgegenstand einer Studie waren, da ein Teil der Studenten nicht wußte, dass Schauspieler den Patienten imitieren, der andere Teil wußte davon. Daraus ergaben sich hochexplosive Auseinadersetzungen zum Berufsbild des Arztes.

Das Team Jörg Burger, Tomas Hoke und Johannes Holzhausen konnten an einigen solcher Sitzungen teilnehmen um einen "Semidokumentarfilm" zu entwickeln.

Realisiert wurde von Jörg Th. Burger dann ein eigenständiger Film: Exploration

„Exploration” bedeutet sowohl „Erforschung” als auch „Untersuchung”. Im Film gleichen Titels werden beide Bedeutungen simultan verhandelt, und zwar in einer Art Engführung, indem der Film eine Untersuchung auf eine Weise zeigt, dass dabei zugleich das Zeigen erforscht wird. Die Untersuchung findet im Feld der Psychiatrie statt. Sie besteht in einem Gespräch zwischen einer Analytikerin und einer Analysandin. Ergebnis einer solchen Untersuchung ist normalerweise ein Krankheitsbild. Irgend etwas stimmt aber nicht bei dieser Untersuchung, und dieses Etwas geht von Anfang an über die bloße Präsenz der Kamera hinaus. Was da nicht stimmt, muss mit der Art und Weise zu tun haben, wie das Gespräch gezeigt wird und die verhindert, dass ein Bild (sei es ein Krankheitsbild oder ein anderes, etwa vom Typ des Im-Bild-Seins) entsteht: Die Kamera isoliert die beiden Personen, die mit- oder aneinander vorbei sprechen, in nahezu gleichbleibenden, halbnahen Einstellungen. Offenbar interessiert sie sich mehr für das Trennende denn für das Verbindende des Gesprächs – dafür, wie Aussagen aufgenommen und Fragen beantwortet werden. Man könnte sagen, sie produziert Bilder, hält aber die Stelle des letzten Bildes offen, des Bildes also, das den vorangegangenen und nachfolgenden Bildern ihre endgültige Position zuweist.Damit werden nicht nur die Positionen von Analytikerin und Analysandin unsicher und zuletzt austauschbar, sondern auch die scheinbar neutralen Positionen der filmischen Aussageinstanz ebenso wie die des Publikums qualifiziert. Irgend etwas stimmt nicht – nicht zuletzt an der als unproblematisch vorausgesetzten Verbindung von Sehen, Hören und Verstehen, die Exploration erforscht.
(Vrääth Öhner)





 
 
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