Kategorie - Ausstellungs-dokumentation  
  >> Ich fühle was Du nicht siehst. Kunst zum Begreifen. Museum Stift Admont
    Jahr:2007
Wvznr: A611
Säulenhalle:1. April - 4. November 2007 Für Blinde konzipierte und für Sehende mehrsinnlich wahrnehmbare Kunstwerke. Diese multimedialen Skulpturen vereinen Kunst und Information. Hoke: Bizarre Mirror


Ich fühle was, was du nicht siehst. Kunst zum Begreifen!
Kurator: Dr. Michael Braunsteiner

Hemmschwellen. Wer von uns hat sie nicht!? „Hemmschwelle“ ist ein aus der Psychologie kommender Begriff. „Er beschreibt die Beobachtung, dass ein Mensch erst nach besonders intensiver Motivation bereit ist, eine bestimmte Aktion auszuüben, wenn diese gegen erlernte oder ererbte Verhaltensweisen verstößt.“ In der Sonderausstellung 2007 wollen wir unsere Stifts- und Museumsgäste dazu anregen, ihre traditionellen Hemmschwellen gegenüber Kunst, Kirche und anderen BeFREMDdnissen locker zu überschweben. Das könnte eine echte Herausforderung für Sie sein!

Wenn wir Sie etwa darum bitten, gewisse Kunstwerke zu berühren, so fällt Ihnen das im ersten Moment vermutlich schwer. Sie blicken verstohlen um sich – unseren Hightech- Überwachungskameras in die Linsen und wachsamen Aufsehern ins Auge! Jedoch: Man darf! Man soll! Yes, please touch – do it! Diese speziellen Kunstwerke sind nicht nur zum Ansehen da. Sie werden auch mit allen anderen Sinnen erlebbar. Indem man sie mit dem ganzen Leib begreift, begreift man sie auch leichter mit dem Kopf. Abstraktes verwandelt sich in Konkretes. Im Idealfall erlebt man ihn auf spielerische Weise – den Paradigmenwechsel. Er kann sie locker machen und weiter bringen im Leben.

Begreifbare, hörbare, riechbare Kunst ist auch für Menschen mit Sehbehinderung und Blindheit barrierefrei zugänglich. Wir laden diese besonders Wahr-Nehmenden herzlich dazu ein! Ebenso bieten wir Sehenden die einmalige Möglichkeit, sich mit verbundenen Augen von blinden Menschen durch unseren brandneuen „Sinnesgarten“ führen zu lassen. Dadurch „sieht“ man die vertraute Welt einmal ganz anders – nämlich „mit den Augen eines blinden Menschen“. Vielleicht ändert sich dadurch Ihr gesamtes Welt-Bild. Wer weiß!

Historische Bücher, Exponate aus allen Gattungen und Epochen zum Thema Wahrnehmung sowie Stationen in den einzelnen Museumsbereichen, in denen Sie durch die eine oder andere unübliche museale Präsentation irritiert werden, verleihen unserem Ausstellungsspektrum 2007 weitere Farben und Kontraste. Es kann schon sein, dass Sie ein Gemälde auf dem Kopf stehend vorfinden; dass Sie plötzlich einen Wachsfrucht riechen können oder dass Sie etwas zu sehen glauben, was dann doch nicht das ist, was zu sehen Sie meinen.

Die Admonter Stiftkirche wird zu einem besonderen außermusealen Erlebnisraum. Lassen Sie sich von uns zum Betreten dieses Gebäudes aus Stein motivieren! Unsere Mönche haben „Perspektivenwechsler“ in dieses Bauwerk für Sie eingebaut.

Ein Kloster, ein Museum, eine Kirche können anders sein, als Sie es sich erwarten würden. Wir haben alles getan, um Sie zu überraschen und mit anderen Einstellungen wieder hinaus in die Welt ziehen zu lassen, als der, mit der Sie zu uns gekommen sind. Geben Sie jedoch acht! Ein Besuch bei uns kann Ihr Leben verändern!

Sollten Sie bei uns viele Ihrer Hemmschwellen abgebaut haben, bitte ich Sie dringlich um eines: Bedenken Sie, dass nicht alles, was in gewissen Bereichen bei uns möglich ist, auch anderswo machbar wäre! Sie sollten Kunstwerke künftig keinesfalls immer und überall berühren. Das könnte Sie in ernsthafte Schwierigkeiten bringen.

Mit künstlerischen Beiträgen von:

Thomas Baumann, Heiko Bressnik, Adi Brunner, Johannes Deutsch, Heribert Friedl, Stefan Gyurko, Maria Hahnenkamp, Tomas Hoke, Anna Jermolaewa, Martin Kaltner, Michael Kienzer, Brigitte Kowanz, Werner Reiterer, Lois Renner, Alfred Resch, Constanze Ruhm, Ruth Schnell, Emil Siemeister, Gustav Troger



 
 
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