Kategorie - Architektur  
  >> Jakobskapelle Bad Kleinkirchheim
    Jahr:2003
Wvznr: 509
ARCHITEKTUR UND KÜNSTLERISCHES GESAMtKONZEPT Tomas HOKE Armin GUERINO kunstbau.saagerDURCHFÜHRUNGSPLANUNG Architekt DI. Edmund HOKE
Downloads
> Badkleinkirchheim Pläne
(Datei: 11.sit - [Inhalt: BKK.sit] / Größe 330 kb)
Jakobskapelle, Bad Kleinkirchheim
2002/2003

Text: Gabriele Ruff


In dem südösterreichischen Thermen- und Wintersportort Bad Kleinkirchheim realisierten Armin Guerino, bildender Künstler und Tomas Hoke, Metallbildhauer mit der Jakobskapelle, ein raumplastisches Konzept mit skulpturalem Anspruch. Ihr architektonischer Entwurf und künstlerisches Gesamtkonzept greift für den Typus einer Verabschiedungskapelle, eine ungewohnte Raumpräzisierung auf. Mit der architektonischen Durchführungsplanung brachte Architekt Edmund Hoke die Kapelle zur Baureife. Die beiden Künstler Guerino und Hoke blicken auf eine Reihe von Arbeiten im Sakralbau zurück, wie die Beispiele der Totenkapelle St. Michael ob der Gurk, die Auferstehungskapelle Sexten, Südtirol oder das Portal und der Altarraum im Gurker Dom zeigen.
Die Jakobskapelle wurde am Ostrand des Friedhofs der Barockkirche St. Ulrich, auf den bereits bestehenden Fundamenten der Friedhofsmauer gebaut. Eine unstrukturierte Treppenanlage wurde entfernt und das terrassierte Niveau für das zweigeschoßige Bauvolumen neu geordnet.
Ein achsial angelegter Weg entlang des Kirchenbaus führt vom Eingang des Friedhofs direkt in das Zentrum der Kapelle und öffnet sich über ein zweiflügeliges Portal von Tomas Hoke. Im Gegensatz zur Außenfläche aus nachtblau gefärbten und geschliffenem Edelstahl mit elf eingearbeiteten Tränen, korrespondiert die Innenfläche mit seinem hellen und reflektierenden Schliff, mit der Größe des Durchbruchs in den Kubus.
Das gesamte Bauvolumen weist eine markante architektonische Gliederung auf, sichtbar im Materialwechsel von Holz zu Sichtbeton zu Glas. Die Dreiteilung beginnt mit dem Versammlungsraum, einem Holzriegelbau in Schiffform. Sowohl für die Haut des Innenraums, als auch für die Bekleidung des parabelförmigen Außenbaus, wurden sägerauhe Eichenriemen eingesetzt. Die ?schwebende?, Raum umlaufende Sitzbank nutzt die konisch nach oben verlaufende Form der Wand als Rückenlehne. Gerätschaften für Liturgie und Bestattung, wie Altartisch, Weihwasserschale, Kruzifix, und Kandelaber, sowie Bahre und Kranzständer wurden von Tomas Hoke geschaffen.
Der ?Bauch des Schiffes? ist ein geschlossenes und intimes Volumen, ein Ort der Ruhe und Konzentration. Er stößt an den monolithen ?Torbau? aus gefärbtem Stahlbeton, der mit seinem umlaufenden Lichtband den Bruch zwischen dem organischen Holzbau und dem kristallinen Glasbau markiert. Die Sichtbetonwand mit ihrem warmen Eisenoxydrotton dient als Untergrund für das Bildprogramm des Malers Armin Guerino. Zwei Hauptthemen stehen im Zentrum der Malerei: die Jakobsleiter mit ihrem ?virtuellen Begleiter - dem Schatten?, eine Interpretation des Malers und die Labyrinthverdoppelung als Träger der Metamorphose des menschlichen Seins. Die duale Form der gegengleichen unilinearen Figuren beschreibt die Mehrdeutigkeit am äußersten Rand menschlicher Existenz. Über die gesamte Sichtbetonwand mit den Maßen 11x5m erstreckt sich die in Eitempera ausgeführte Malerei. Allseitig eindringendes Streiflicht flutet diese ?Zone der Unterscheidung? innerhalb der verschiedenartigen Raumzuordnungen, die in das räumliche Zentrum des Baus, in einen kristallinen Kubus, dem Ort der Aufbahrung an exponierter Stelle führt. Der 2,40x2,40m große Glaskubus, eine Übertragung des Himmlischen Jerusalem, der Stadt mit gleichen Maßen, kragt als ein sich selbst tragender Körper in den Außenraum. Er setzt sich aus 600 geschichteten Glasstreifen in der Länge von 2,4m, der Stärke von 12mm, sowie einer Breite von 6cm zusammen. In seiner Gesamtheit gibt er den Eindruck eines strahlenden Kristalls wider. Ungestört vermag das Licht in den Raum einzudringen, es wird reflektiert und gebrochen, je nach Einfallswinkel spiegeln sich Wolken oder Landschaftspartikel durch eine visuelle Umkehrung im Glaskörper. Die Künstler legen mit diesem Kubus einen neuen Raumtypus fest, der in seiner liquiden Materialität den Toten in ein helles Licht rückt. Der Glaskörper übt eine feierliche Signifikanz aus, die dem Geschehen Schwere nimmt.